Mit der Pfeife um die Welt
Henning Fröhlich über den Weg zu den größten 3x3-Turnieren.

- 16.10.2026, 14:30
Wenn man sich mit 3x3-Schiedsrichter:innen in Deutschland beschäftigt, kommt man an Henning Fröhlich nicht vorbei. Wir konnten Henning, der vor Kurzem beim FIBA 3x3 Challenger in Aichi (Japan) im Einsatz war, für ein kurzes Interview gewinnen und der Frage auf den Grund gehen, warum 3x3 auch für Schiedsrichter:innen in Bremen und Niedersachsen eine spannende Alternative sein kann und was es braucht, um die größten FIBA-Turniere zu leiten. Den ersten Schritt kannst du natürlich bei unserer 3x3-Schiedsrichterausbildung am 10. Januar 2027 in Hannover machen. Solltest du bereits eine Schiedsrichterausbildung absolviert haben und weitere Praxiserfahrung sammeln wollen, melde dich jederzeit bei unserem 3x3-Landestrainer Bastian Landgraf. Jetzt wünschen wir viel Spaß mit dem Interview mit Henning Fröhlich!
Hi Hennig, wie bist du zum 3x3-Basketball gekommen?
"Ich habe bei YouTube Turniere gesehen, bei denen mich die Locations gereizt haben. Daraufhin habe ich mich im Jahr 2016 zunächst um eine nationale Lizenz bemüht und ein Jahr später auch die internationale Lizenz erhalten. Leider hatte ich zunächst wenige Nominations und dann kam Corona, bevor ich 2022 dann wirklich meine erste coole Location bei einem internationalen Turnier erleben durfte - Limasol, Zypern, direkt am Strand."
Wie bereitest du dich auf internationale Turniere vor?
"Wenn eine Nomination kommt, schaue ich zunächst, ob ich ein Visum o.ä. für das Land brauche, wo das Turnier stattfindet; Im Vergleich zu Kollegen anderer Länder kann ich hier aber meinen Pass beinahe als Privileg betrachten, ich musste noch nie von einem richtigen Visum Gebrauch machen. Dann muss ich bei der FIBA meine Reisedaten einsenden, so dass ich Flugbuchungen erhalten kann. Inhaltlich bereiten wir uns ongoing vor, mit monatlichen Regeltests, Webinaren und auch Selbststudium. für mich am wichtigsten ist immer, mich „einzupacken“ - die Teams, die ich treffen werde, schon mal gesehen zu haben, ihren Spiel-Stil, Charaktere etc. Also viele Spiele schauen. Auch schaue ich mir Spiele der Kollegen an, mit denen ich angestezt bin."
An welches Turnier erinnerst du dich besonders gerne?
"Meine bisherigen Highlights waren immer etwas größere Nationalmannschaftsturniere: die European Games in Polen 2023, die U18-WM in Ungarn und zuletzt die FISU World University Games als Heimspiel in Deutschland. Gerade 3x3 im Rahmen eines Multi-Sport-Events war immer großartig. Aber auch an andere Turniere denke ich gerne zurück. Zuletzt der Challenger vor dem alten Olympiastadion in Athen war ebenso etwas besonderes, auf eine andere Art."
Und welches Turnier steht noch auf deiner Bucket-List?
"World Tour!!! Als ich damals 3x3 schaute, hab ich mir gesagt, dass ich mal ein solches Turnier leiten möchte, also ein World Tour Turnier. Seitdem hat sich die Sportart rasend schnell entwickelt und professionalisiert, ebenso die World Tour als höchster Wettbewerb. Umso eher ist dies mein aktuell größtes Ziel im 3x3."
Was sind denn 3 Eigenschaften, die man als 3x3 Schiedsrichter:in auf jeden Fall mitbringen sollte?
"Flexibilität - bei teilweise sehr weiten Anreisen kann viel schief gehen. Flexibel im Kopf sein, kurzfristig auf Dinge zu reagieren. Dies gilt auch für das Turnier. Es kann sein, dass es alles gut läuft. Oder es gibt, ohne eine Wolke am Himmel, einen nassen unbespielbaren Court, man muss an einem Samstagabend durch eine komplett belebte Stadt in die Halle umziehen und beendet das letzte Spiel um 0:40. Das erlebte ich letztes Jahr in Casablanca. (Henning zwinkert)
Ebenfalls Ausdauer - klingt bei einem Sport, bei dem der Ref nur zu stehen scheint, seltsam. Aber zum einen steht er nicht die ganze Zeit, auf der Position wird sich viel bewegt, und es gibt Turniere, bei denen man mit Qualifying Draw und ggf. mit Kollegen, die Nations Conflicts haben, gerne mal 11 Spiele am Tag hat…bei 37 Grad. Da sollte man gerade in den letzten Spielen des Tages, die immer wichtig sind, dennoch präsent und fit sein.
Und dann noch Offenheit - man trifft auf viele Menschen, viele Kulturen und erlebt viele neue Dinge. Offen sein für andere Sichtweisen, Gewohnheiten, Perspektiven macht es neben dem Sport noch viel interessanter."
Was würdest du jungen, ambitionierten Schiedsrichter:innen mit Ambitionen im 3x3 an die Hand geben?
"Etwas, das ich selbst genauso wenig kann: Geduld haben! Wenn man hart am Ziel arbeitet, ergeben sich Gelegenheiten. Wenn man zu sehr will und Dinge erzwingen möchte, stellen sich gerne schnell Enttäuschungen ein, die den Prozess lähmen. An sich arbeiten, im Austausch mit anderen bleiben und Ratschläge einholen, was kann man besser machen."
Welche konkreten Schritte kann man gehen, wenn man sich im 3x3 kontinuierlich weiterentwickelt möchte?
"Das Allerwichtigste ist, sich auf 3x3 einlassen. Wenn es mehr die „Sommer-Brücke“ von einer 5v5 Saison zur neuen ist, dann wird es schwer, Entwicklung zu machen. Das klingt erst einmal sehr hart, aber man muss sich mit 3x3 beschäftigen, Spiele schauen und sehen, wie hochklassige Kollegen agieren. Es sind viel mehr Dinge anders als beim 5v5, nur weil ich dort schon sehr gut bin, heißt es nicht automatisch, dass 3x3 easy wird."
Und abschließend: Welche Turniere in Deutschland gibt es, auf die man sich als 3x3 Schiedsrichter:in fokussieren kann?
"Eine Frage, die häufig gestellt wird, die nicht leicht zu beantworten ist - viele Turniere kenne ich selbst nicht einmal, da im Gegensatz zum 5v5 der Spielbetrieb anders organisiert ist. Aber gute Turniere sind natürlich alle Qualifier, die zur Teilnahme an der deutschen Meisterschaft gespielt werden, LV-Tour Stops und alle als Quest deklarierten Turniere, von denen wir mittlerweile auch viele haben in Deutschland. Letztlich sollte man Teams nach und nach kennen und schauen, welche Turniere aufgrund der Teilnahmen interessant sind. "
Henning, vielen Dank für die spannenden Einblicke und deine Zeit.
Interview: Bastian Landgraf








